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Mensch, wo bist du?



Mensch, wo bist du?

 

Liebe Gemeinde!

Jetzt - wo fast alles Gewohnte ausfallen muss, weil ein gefährlicher Virus das Leben vieler Menschen bedroht - jetzt können wir ungewohnte Dinge entdecken.

Vielleicht haben Sie zu Beginn der Fastenzeit auch schon das Misereor-Hungertuch 2019/20 in unseren Kirchen entdeckt oder wiederentdeckt. Mir ging es so! Ich musste mir allerdings den Inhalt unter dem Titel "Mensch, wo bist du?" neu erschließen! Der Flensburger Designer, Bildhauer und Maler Uwe Appold, ist mit seinem Werk der Frage nachgegangen, die in Genesis 3,9 dem ersten Menschenpaar nach dem Sündenfall gestellt wird: Mensch, wo bist du? Denn über dem ursprünglichen Paradies lag plötzlich der Schatten der Sünde. Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren (Gen 3,7). Dann versteckten sie sich vor Gott, als dieser sie fragte: Mensch, wo bist du?

Der Künstler übersetzt die Antwort auf diese Frage in unsere Zeit und deckt neue Fragen auf, die sich - ausgehend von der Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus - mit dem unfertigen Haus der Schöpfung auseinandersetzen. Bildlich ist es in der Mitte des goldfarbenen Ringes zu sehen. Im schematisch angedeuteten Haus klafft auf der rechten Seite ein Loch.

 

Uwe Appold möchte mit diesem Hungertuch eigentlich erreichen, dass sich jede und jeder seine eigenen Gedanken zu seinem Kunstwerk macht. Betrachten Sie dieses Hungertuch in unseren Kirchen, in den Auslagen der Schriftenstände oder im Internet. Stellen Sie sich die Frage: Was erkenne ich?

 

Ich selbst "lese" bzw. deute das Hungertuch heute anders als im vergangenen Jahr, und zwar vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Corona-Krise. Ich entdecke Neues mit der gleichen Frage: Mensch, wo bist du?

Da gibt es die zahlreichen "Baustellen" auf dieser Erde und die Signalwörter dafür lauten: Erderwärmung und Klimakatastrophe mit Hurrikans, massiven Regenfällen und langen Dürrezeiten mit Hungersnöten; nie enden wollende Kriege mit vielen Toten und Flüchtlingsschicksalen; menschliche Eingriffe in das Leben am Anfang und am Ende. Ist der Mensch Herr über Leben und Tod? Und dann das Virus Covid 19, das eine Pandemie nach sich zieht: Der Mensch wird herausgefordert sein Können unter Beweis zu stellen. Doch hier stößt er an seine Grenzen - an die Grenzen des Machbaren!

 

Vieles kann der Mensch; aber: darf er auch alles, was er kann? Überspannt der Mensch gerade den Bogen, weil er die Frage seines Schöpfers "Mensch, wo bist du?" in seiner Hybris nicht mehr hört oder hören will? Merkt der Mensch noch, dass er nackt da steht im Klima, im Krieg, in der Versuchung zwischen Leben und Tod selbst entscheiden zu können oder jetzt in der Corona-Krise?

 

Uwe Appold hat das unfertige Haus auf eine Landzunge mit Erde aus Gethsemane gesetzt und zwölf Steine eingearbeitet, die wie rote Wunden erscheinen.

Die Erde ist verletzlich, mehr noch: sie ist verletzt! Wird der Mensch diese Verletzungen nicht nur erkennen, sondern auch an ihnen handeln? Wird er die Wunden behandeln, damit sie heilen können?

Der goldene Ring, der das unfertige Haus umgibt, und ein wenig aus der Bildmitte nach links verschoben ist, symbolisiert Gott, dessen Sohn Mensch wurde und so teil hatte an den Wunden dieser Welt; ja, der sich selbst verwundbar machte - für uns Menschen und zu unserem Heil - zu unserer Pilgerschaft, die unsere ewige Vollendung zum Ziel hat!

Die Welt ist vielfach aus den Fugen geraten - verwundet! Und Gott? Spielt er, der das gemeinsame und noch unfertige Haus umfängt,  für den Menschen noch eine zentrale Rolle? Oder ist er aus dem Blickfeld des Menschen geraten - bei Seite geschoben?

Der Mensch ist von Uwe Appold rechts im Bild skizziert. Die gebogene Linie deutet seine ausgestreckten Arme an. Er wendet sich Gott zu, der seinen Lebensraum umgibt und verweist mit seiner Rechten gleichzeitig auf das griechische Christus-Zeichen (IX).

 

Wird der Mensch mitwirken, um Gottes Schöpfung zu bewahren? Wird der Mensch aus seiner latenten Gottvergessenheit aufbrechen, um umzukehren und auf die Frage Gottes "Mensch, wo bist du?" zu antworten? Welche Antwort gibt er zur Bewahrung der Schöpfung, zur Ernährung der Weltbevölkerung, zum Frieden auf Erden, zur Solidarität mit den Flüchtlingen und Schwächeren, zum Umgang mit dem Leben am Anfang und am Ende?

Wie antwortet der Mensch auf die weltweite Corona-Krise? Zeigt er sich jetzt solidarisch - jetzt, wo es um Leben oder Tod geht? Wie antwortet der Mensch - jetzt, wo es gilt, die älteren und immungeschwächten Menschen im gemeinsamen und noch unfertigen Haus zu schützen?

 

Mensch, wo bist du?

Gott ist doch mit dir - er steht auf deiner Seite -

auch oder gerade weil du nackt bist!

 

Mensch, wo bist du?

Gott wartet auf deine Antwort!

Sei ganz frei in deiner Entscheidung.

 

Aber im Zweifel:

Wähle das Leben, damit du lebst! (Dtn 30,19


Ihr /Euer Pastor Christoph Höckelmann

 




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